Ich komme aus aktuellem Anlass auf einen Beitrag (https://www.freitag.de/autoren/janina-luett/sozialproteste-gegen-merz-der-besuch-dieser-demos-ist-fuer-mich-therapeutisch) von ,den ich vor kurzem las, zurück. Auf die nachstehende Passage.

Wenn Instagram die einzige Informationsquelle für eine Demonstration ist, dann erreicht die Info oft nur die vergleichsweise wenigen Menschen, die auf dieser Plattform sind. Für die breite Masse braucht es mehr.

Einmal mehr stelle ich fest das an zu vielen Stellen noch viel Luft nach oben ist, was die Mobilisierung und Öffentlichkeitsarbeit zu/von Aktionen, Demonstrationen und Kundgebungen angeht.

Vor wenigen Minuten kam ich aus der Innenstadt zurück. Als ich auf dem Weg von der Stadtbahnhaltestelle zu meiner Bude war bemerkte ich das auf dem Platz im Veedel eine Auftaktveranstaltung zu einer Fahrraddemo bevorstand. Im Netz konnte ich keine konkreten Informationen dazu finden. Außer das eine Aktion stattfindet, von wann bis wann und welche voraussichtliche Route die Fahrraddemo nimmt. Keine Angaben zu den Veranstaltern. Kein Hinweis auf eine Homepage oder einen Social Media Kanal mit mehr Informationen. Nichts.

Das ist nicht der einzige, aber für mich der Fehler den viele Veranstalterinnen und Veranstalter machen. Die Informationen in einem geschlossenen Kreis (E-Mail-Verteiler, Messenger-Gruppe, Soziales Netzwerk) zu streuen zu dem nicht alle Zugang, worauf nicht alle Zugriff haben. Inbesondere wenn man selbst eine breite Öffentlichkeit erreichen will. Wenn man eine Homepage hat sollte man die entsprechenden Informationen in erster Linie dort veröffentlichen und dann den entsprechenden Link, ergänzt um einen Zwei-/Dreizeiler auf den eigenen Social Media Kanälen. Es muss wenigstens einen Kanal geben wo alle die relevanten Informationen lesen können, auch ohne ein Benutzerkonto dort haben zu müssen. Insofern kämen die Plattformen von Meta oder X schon mal nicht in Frage. Alternativ kann man die wesentlichen Informationen (Was? Wann? Wo?) auf einem Kachelbild (Sharepic) veröffentlichen und dieses dann auf verschiedenen Kanälen teilen.

Es ist auch aus einem anderen Grund wichtig das man die Kanäle, die man zur Mobilisierung und Öffentlichkeitsarbeit nutzt, immer wieder mal reflektiert. Wenn man vermeiden will das die Informationen vergleichsweise wenige Menschen erreichen. Seit der vorletzten Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen nahm ich bis vor Monaten regelmäßig an Kundgebungen anlässlich der Sitzungen des hiesigen Stadtrat und Sozialausschuss teil. Ich tue dies aus verschiedenen Gründen nicht mehr. Unter anderem weil ich der Meinung bin das wir uns nicht den Luxus leisten können ständig die gleichen Forderungen zu stellen, sie zu wiederholen, ohne das konkrete weitere Schritte folgen wenn ein Zwischenziel nicht erreicht, die Forderung nicht erfüllt wurde. Vor allem aber auch weil mir das zu wenig ist wenn man ständig die gleichen Gesichter sieht. Wenn selten, sofern überhaupt, neue Aktivisti dazustoßen oder vorbeigehende Menschen interessiert stehenbleiben und zuhören.

Einerseits stimme ich zu, Resignation ist keine Antwort. Andererseits erlebte und erlebe ich an vielen Stellen das zu wenig dafür getan wird Menschen abzuholen, Teilhabe zu ermöglichen. Es ist meine Entscheidung ob und wie ich mich innerhalb meiner Möglichkeiten einbringe. Wenn ich irgendwo nur ansatzweise erkenne, sprich den Verdacht habe das etwas totgeredet wird, bin ich raus. Es ist für mich in Ordnung wenn man unterschiedlicher Meinung ist, wenn eine Mehrheit es anders sieht. Ich halte es aber für Zeitverschwendung wenn man in ein und demselben Personenkreis etwas wiederholt diskutiert was bereits wiederholt diskutiert und wo auch ein konkreter Beschluss gefasst wurde. Ich halte es insofern für kontraproduktiv wenn man innerhalb einer Gruppe verschiedene Kanäle zur Information und Kommunikation nutzt, wo in der Regel überall die gleichen mitlesen und offensichtlich viele nicht lesen was man schreibt oder nicht zuhören was man sagt.

Über das Thema sprach ich mit jemandem am Rande eines Treffen an anderer Stelle. Meiner Erinnerung nach sieht er es wie ich. Das, wenn man eine Homepage hat, die konkreten Informationen im Termin-/Veranstaltungskalender dort veröffentlicht und dann, gerne um einen Zwei- oder Dreizeiler ergänzt, auf den eigenen Social Media Kanälen teilt. Das ist für mich insofern nicht nachvollziehbar weil die verschiedenen, vielleicht nicht alle, aber die meisten Plattformen Crossposting-Möglichkeiten anbieten. Sprich, man gibt die Informationen auf einer Plattform ein und kann sie automatisch auf verschiedenen anderen Kanälen veröffentlichen lassen.

Ich bin auch der Meinung, um auf die Anfangs zitierte Passage zurückzukommen, dass es nicht nur darum gehen muss das Instagram nicht die einzige Informationsquelle für eine Demonstration sein darf, sondern auch um andere Feinheiten die darüber entscheiden ob man eine breite Öffentlichkeit erreicht und mobilisiert - Schlagworte (Hashtags). Es gab eine Zeit da genügte es, wenn man wissen wollte was in der eigenen Stadt los ist, das Kennzeichenkürzel und das Tagesdatum einzugeben #HH2308 für Hamburg, beziehungsweise #K2308 für Köln zum Beispiel. Ich habe den Eindruck dass das niemand mehr nutzt. Da bekam man in der Suchmaschine seines Vertrauen wenigstens eine bessere Übersicht der Aktionen, Demos, Kundgebungen angezeigt.

Ähnlich verhielt es sich meiner eigenen und persönlichen Meinung nach mit dem #IchBinArmutsbetroffen. Die Bewegung wuchs deshalb, weil viele von Armut betroffene Menschen unter dem Schlagwort ihre Beiträge veröffentlichten. Ich weiß das es nachwievor Aktivisti, von Armut Betroffene und Unterstützerinnen und Unterstützer gibt die sich darum bemühen. Allerdings nicht mehr so viele wie Anfangs des Hashtag. Das ist meinem Eindruck nach auch darauf zurückzuführen das verschiedene Menschen unterschiedliche Schlagworte nutzen.